Klimabilanzierung
Klimapfadberechnung
Hintergrund und Zielsetzung der Klimapfadberechnung
Um die Klimaziele des Bundes, des Landes Niedersachsen und der Stadt Osnabrück erfüllen zu können, konnte sich das Studierendenwerk Osnabrück (SWOS) mithilfe einer Analyse der Immobilienwirtschaftlichen Beratung (iwb) eine Übersicht über die bisherigen Fortschritte bei der Reduktion seiner CO₂-Emissionen verschaffen. Die Bewertung erfolgt auf Basis eines Vergleichs der Emissionen des allgemeinen Referenzjahres 1990 mit denen des Jahres 2023 und liefert sowohl die strategische Grundlage für weitere ökonomische und operative Planungen auf dem Weg der Dekarbonisierung, als auch eine realistische Einschätzung über die notwendigen Investitionen in die Zukunft.
Der Vergleich der Emissionen der Jahre 1990 und 2023 zeigt eindrucksvoll, dass das SWOS mehr als die Hälfte des Weges zur Klimaneutralität bereits zurückgelegt hat. Diese Entwicklung ist das Resultat langfristiger und konsequenter Investitionen in energetische Sanierung, Erhaltung und Instandsetzung der Gebäude, sowie Modernisierung und Optimierung unserer studentischen Wohnanlagen.
Minderung der THG-Emissionen bis 2040/2045
Jahr
Stadt Osnabrück
bezogen auf 1990
Land Niedersachsen
bezogen auf 1990
Bundesebene
bezogen auf 1990
2030
-66% = 20kgTHG/m2a
-75% = 15kgTHG/m2a
-65% = 21kgTHG/m2a
2035
-80% = 12kgTHG/m2a
-90% = 6kgTHG/m2a
-77% = 14kgTHG/m2a
2040
-91% = 5kgTHG/m2a
-100% = 0kgTHG/m2a
-88% = 7kgTHG/m2a
2045
—
—
-95% = 3kgTHG/m2a
Ein Vergleich zwischen den THG-Emissionen des Jahres 1990 und 2023 zeigt: das SWOS konnte in diesem Zeitraum 55% seiner Treibhausgas-Emissionen einsparen. Kennwerte mit Klimabereinigung. Quelle: iwb Immobilienwirtschaftliche Beratung GmbH
Die Bestandsqualität der Wohnanlagen wird bereits heute überwiegend als sehr gut bewertet. Die Bestandsanalyse der Gebäudehülle zeigt, dass sich bspw. die Gebäudehüllen (dazu zählen Fassade, Fenster, Dach und Kellerdecke) zu einem großen Anteil bereits in der Bestkategorie ‚optimale Bestandsqualität‘ (eBQ 1) befinden. Ein Fokus für das Studierendenwerk liegt nach wie vor auf Gebäuden, die aktuell noch fossil betrieben werden müssen – sie stellen auch weiterhin den größten Hebel für zusätzliche Emissionsreduzierung dar.
Klimapfade im Vergleich: Ziele des Bundes und der Stadt Osnabrück erreichbar
Modellierungen unterschiedlicher Szenarien zeigen, dass die Zielvorgaben des Bundes und der Stadt Osnabrück für das SWOS realistisch erreichbar sind. Im Vergleich dazu stellt das Ziel des Landes Niedersachsen eine besondere Herausforderung dar. Aufgrund seiner hohen Ambition ist dieses Ziel unter derzeitigen technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nur eingeschränkt realistisch erreichbar. Nachvollziehbar wird dies anhand der Darstellung der Minderung der THG-Emissionen bis 2045 (siehe nachfolgendes Diagramm): die Zielkennwerte des Bundes (siehe graue Kreise) und Osnabrücks (siehe grüne Kreise) werden auf beiden Pfade erreicht, die Zielkennwerte Niedersachsens (hier an den orangen Kreisen zu erkennen) liegen allerdings weit unterhalb der beiden als plausibel und realistisch eingeschätzten Pfade.
Entwicklung des THG-Fußabdrucks bis 2045
Vergleich der Klimapfad-Modelle von Bund, Niedersachsen und Stadt Osnabrück. Kennwerte ohne Klimabereinigung. Quelle: iwb Immobilienwirtschaftliche Beratung GmbH
Ergebnisse aus dem Vergleich
- Dominierender Einfluss der Emissionsfaktoren auf den THG-Fußabdruck ersichtlich
- Zielkennwerte Bund/Osnabrück erreicht, Zielkennwert Niedersachsen nicht erreicht
Staatliche Unterstützung zur Erreichung der Klimaziele dringend erforderlich
Um die Klimaziele des Landes Niedersachsen annähernd zu erreichen bedarf es bis 2040 stetiger Investitionen für die energetische Ertüchtigung der Gebäudehüllen und Anpassungen der technischen Gebäudeausstattungen von rund €0,50 Millionen jährlich.
Diese Investitionen muss das Studierendenwerk zusätzlich zu den jährlichen Sanierungsmaßnahmen aufbringen. Damit dieser Transformationsprozess erfolgreich gestaltet werden kann, bedarf es zielgerichteter staatlicher Förderprogramme, damit die Investitionen nicht zulasten der Studierenden erfolgen und die Mieten bezahlbar bleiben.
Jährliche Investitionskosten Strategiepfad 2 je Zeitraum bis 2045
Investitionskosten pro Jahr bis 2045. Alle Angaben inklusive Inflation von 2%, aber ohne Förderung. Quelle: iwb Immobilienwirtschaftliche Beratung GmbH
Ergebnisse der Kostenaufstellung
- Die Kosten für nicht-energetische-Maßnahmen dominieren gegenüber den Kosten der energetischen Maßnahmen
- Investitionskosten-Spitze in 2036–2040: gegebenenfalls in operativer Planung zu glätten
- Umstellung der Heizsysteme mit größtem Effekt hinsichtlich Emissionseinsparungen bei relativ geringem Kostenanteil
Digitale Unterstützung unterwegs: Einführung des Programms IGISsix
Um die Entwicklung des Klimapfads kontinuierlich beobachten und valide bewerten zu können, investiert das SWOS in die webbasierte Software IGISsix. Im Dezember 2025 und Januar 2026 erhalten Mitarbeitende aus Bau- und Betriebstechnik, Energiemanagement sowie Nachhaltigkeitsmanagement eine umfassende Schulung. Die Software unterstützt das SWOS durch eine übersichtliche Datenerfassung, Verknüpfung komplexer Energie- und Gebäudedaten, präzise Berechnung und Visualisierung der Klimapfadentwicklung, und ermöglicht eine interne Selbstüberprüfung sowie Fortschrittsbewertung.

Bedeutung des Nutzungsverhaltens
„Die interne Kennwertdatenbank der iwb bündelt sämtliche Erkenntnisse aus unseren Klimapfadprojekten. Aus den statistischen Auswertungen lässt sich ableiten, dass Nutzer:innen einen direkten Einfluss von rund 20% auf den Energieverbrauch haben,“ so Adrian Myska von der iwb. Das SWOS setzt daher zusätzlich auf Sensibilisierung und Aufklärung, um energetisch bewusstes Wohnen weiter zu fördern.
Starker Bereich: Elektrische Anlagen bereits bei 0% Emissionen
Das SWOS hat im Bereich der elektrischen Anlagen bereits heute komplett auf Ökostrom gesetzt. Dadurch entstehen hier 0% CO₂-Emissionen – ein wichtiger Meilenstein, der das Gesamtportfolio nachhaltig entlastet.
Partnerschaftlicher Dialog
Für die zukünftige Planung ist der kontinuierliche Austausch mit der Stadt Osnabrück, der kommunalen Wärmeplanung, Energieversorgern sowie der Politik entscheidend. Im Vordergrund stehen frühzeitige Risikoabschätzungen, die Einbindung neuer technischer und regulatorischer Entwicklungen, sowie ein offener Dialog über wirtschaftlich tragfähige und gemeinsam abzustimmende Lösungen. Dieser Austausch stellt sicher, dass das SWOS seinen Klimapfad verlässlich weiterverfolgen und neue Herausforderungen frühzeitig adressieren kann.
Das Werk ist auf dem Weg – und geht voran!